Mobile Recruiting: Mythos oder Zukunft?

Es ist offiziell. Steht schwarz auf weiß. Und zeugt keinesfalls von Musterschülerdasein: Österreichische Unternehmen hinken beim Mobile Recruiting hinterher.

Die aktuelle Mobile Recruiting Studie 2015 – Österreich (großes Dankeschön an die Autoren der Studie, die Digitalagentur Wollmilchsau GmbH) nimmt die Mobiltauglichkeit der Karriere-Webseiten von österreichischen Unternehmen des Wiener Börsenindex (WBI) unter die Lupe.

Bild Mobiles Recruiting. Mann mit Tablet

Das Ergebnis: Aufholbedarf.

Eines steht definitiv fest: Als kurzfristiger Trend darf die Mobile-Bewegung keinesfalls abgetan werden. Also jene unter Ihnen, die das Credo „Aussitzen und Abwarten“ verfolgen: Werfen Sie es über Bord und setzen Sie sich besser früher als später mit den Anforderungen des Mobile Recruitings auseinander.

Denn die Zahlen sprechen für sich: Laut ÖWA Plus 2014-IV surfen bereits rund 60 Prozent aller Internetnutzer mit einem mobilen Endgerät. Potenzielle 60 Prozent, die sich auch unterwegs nach Jobs umschauen, sich für neue Arbeitgeber interessieren und dabei auf Ihre Karriere-Webseite stoßen. Tendenz steigend.

Deshalb, und weil Google seit 21. April 2015 die Mobiloptimierung offiziell zum wichtigen Google-Ranking-Faktor erkoren hat, ist es an der Zeit, Ihre Karrierewebseite, Ihre Jobbörse und Ihren Bewerbungsprozess „mobil“ zu überdenken.

Natürlich beginnt auch der Weg zur optimalen Mobile Candidate Experience mit dem ersten Schritt.

Laut den Autoren der Studie ist die Gestaltung der eigenen Karriereseite der Grundstein des Mobile Recruiting: Sinnvoll und erfolgsversprechend ist es in Folge jedoch nur, wenn der Bewerbungsprozess als Ganzes mobiloptimiert ist. „Somit wird jede teilweise mobiloptimierte Variante die Bewerberzahlen und die Employer Brand Experience nachhaltig negativ beeinträchtigen und folglich zu höheren Kosten aufgrund der Notwendigkeit weiterer Recruiting-Maßnahmen führen“, so die Autoren weiter.

Odyssee der Smartphone User

Warum das so wichtig ist? Ein kurzes Beispiel: Hat sich der mobile Surfer auf der Karriereseite den ersten Eindruck von dem Arbeitgeber und den Karrieremöglichkeiten verschafft, folgt der Blick auf die derzeit verfügbaren Jobs. Landet der User bei den 73,77 Prozent der Unternehmen, die keine mobile Stellenbörse bieten, verlässt ihn dank der oftmals nutzerunfreundlichen Bedienung schnell der Ehrgeiz und mit ihm die Bereitschaft zur Bewerbung. Schafft er trotzdem noch diese Hürde, landet der potenzielle Bewerber mit großer Wahrscheinlichkeit (bei 93,44 Prozent der Unternehmen) bei einem Bewerbungsformular, wo ihn die Tortur des Raus- und Reinzoomens, Vertippens, Wischen nach rechts, links, oben und unten erwartet.

Kurz: Diesen hohen Aufwand beim mobilen Bewerbungsprozess nehmen nur die wenigsten auf sich. Das führt laut Wollmilchsau GmbH zu einer geringeren Anzahl eingehender Bewerbungen, verringerten Auswahlmöglichkeiten aus qualifizierten Bewerbern und schlussendlich zu höheren Ausgaben für weitere Recruiting-Maßnahmen.

Daher der Tipp der Agentur: Schnell in Sachen mobil-freundlicher Bewerbungsprozesse die Initiative ergreifen und die Vorreiterrolle einnehmen, denn: „Die Mobiloptimierung der eigenen, kompletten Website stellt also derzeit noch eine Art Alleinstellungsmerkmal für Unternehmen dar.“

„Jetzt bewerben“ auch unterwegs

Damit Sie es bei dem Versuch, Ihren Handy-Bewerbern das Leben zu vereinfachen, nicht allzu schwer haben, gibt es hier ein paar nützliche Tipps für Ihr optimales Mobile Recruiting:

  • Mobiler Selbstcheck: Die aktuelle Mobiltauglichkeit können Sie mit Ihrem eigenen Smartphone ganz einfach selbst testen. Wie ist Ihr Nutzererlebnis dabei?
  • Prioritätscheck: Faktoren wie Unternehmensgröße, Ressourcen, Budget etc. spielen natürlich eine große Rolle. Schauen Sie sich an, welchen Stellenwert diese Thematik in Ihrem Unternehmen hat bzw. haben sollte. Vielleicht ist eine „provisorische“ Herangehensweise in einem ersten Schritt die sinnvollere Lösung (z. B. Karriereseite aus Gesamt-Webseite lösen und nur diese optimieren). Die Betonung liegt jedoch natürlich auf „provisorisch“.
  • Zeitgemäße Software: Für Ihre Karriereseite und Jobbörse sollten zeitgemäße Content- bzw. Bewerbermanagement-Systeme zum Einsatz kommen, wo Suchmaschinenoptimierung und mobile Darstellung berücksichtigt werden.
  • Übersichtlicher Aufbau: Eine bequeme Navigation sowie eine einfache und übersichtliche Darstellung der Inhalte ist das Um und Auf bei mobilen Darstellungen. Können die wichtigsten Informationen auf einen Blick erfasst werden? Ist die Lesbarkeit von Texten gewährleistet? Sind die Schaltflächen groß genug?
  • Jobangebote: Der Integration der offenen Stellen sowie der Mobiloptimierung der Stellenbörse sollten Sie besondere Aufmerksamkeit schenken. Ist Ihr Stellenportal leicht aufrufbar? Ist die Bedienung unkompliziert und selbsterklärend, ohne dass z. B. Elemente vergrößert, verschoben etc. werden müssen? Funktioniert die Suche? Können die Inserate aufgerufen werden?
  • Bewerbungsmöglichkeiten: Mobiloptimiert ist der Bewerbungsprozess dann, wenn auf Smartphones, Tablets & Co. die wichtigsten Daten bequem eingegeben werden können. Felder, Schaltflächen und Oberflächen müssen für die mobile Darstellung ausgelegt sein. Eine unkomplizierte und zeitsparende Möglichkeit wäre hier, auch die Einbindung der Daten aus XING- oder LinkedIn-Profilen zu erlauben.

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